Erinnern in Mannheim-Sandhofen – eine Schule als KZ

„Ich habe mich bemüht, soweit ich konnte, das, woran ich mich erinnere, zu sagen und die ganze Wahrheit mitzuteilen.“ H. Mossakowski, ehemaliger Häftling am 05.09.1989

Das Konzentrationslager in Mannheim-Sandhofen, das wir für einen Projekttag besuchten, wird uns in Erinnerung bleiben. In dem Außenlager des Konzentrationslagers Natzweiler-Struthof waren von 1944 bis zum Kriegsende vorwiegend polnische Männer aus dem Aufstand von Warschau inhaftiert und mussten Zwangsarbeit im Daimler-Benz-Werk Mannheim leisten. Zum Kriegsende wurden sie auf die sogenannten Todesmärsche geschickt.

Eine bleibende Erinnerung

Das Konzentrationslager in Mannheim ist nicht nur deswegen im Vergleich zu anderen Konzentrationslagern außergewöhnlich, weil es in Mannheim-Sandhofen in der Mitte des Ortes liegt. So fiel uns bereits beim Nachgehen des täglichen Gangs der Häftlinge durch die Straßen des Ortes auf, dass die Sandhofer Bürger eigentlich nicht vor den Geschehnissen wegschauen konnten. Sie wurden täglich damit konfrontiert.Zudem beeindruckte uns, dass das Konzentrationslager nicht nur in einer Schule untergebracht war, sondern auch heute wieder als Grundschule genutzt wird. Die Sandhofer, selbst die Schüler, werden also noch heute immer wieder an diesen Teil ihrer Geschichte erinnert.

Als wir den Filmausschnitt der beiden Überlebenden, die über ihr Schicksal berichteten, sahen und anhand der Häftlingszeichnungen beim Gang über den Schulhof sogar den Baum der Hinrichtungen entdeckten, konnten wir uns in die Lage der Häftlinge und die Geschehnisse der NS-Zeit, die wir bisher nur von Bildern und Berichten im Unterricht kannten, wirklich hineinversetzen. Das Interview der beiden überlebenden Häft-linge zeigte uns auch, dass sie auf ganz unterschiedliche Weise mit ihrer eigenen Erinnerung umgehen, um auch nach der Zeit im Konzentrationslager "überleben" zu können.

In der Ausstellung beschäftigten wir uns mit den Biografien verschiedener Menschen des Lagers und der Bevölkerung Sandhofens zur Zeit des Konzentrationslagers. Dies führte uns nochmal die Dimension des NS-Systems vor Augen und es machte uns  betroffen, dass es keine Würde des einzelnen Menschen mehr gab, die Häftlinge wurden nur als Nummern betrachtet. Hierbei wurde uns vor allem klar, dass es neben dem klaren Täter und Opfer, auch viele Mischbereiche gibt, die man unterscheiden muss.
Erinnern-Verschweigen-Vergessen?

So bleibt uns aus der Erfahrung unseres Erinnerns im Konzentrationslager, dass man die Geschichte nicht rückgängig machen kann. Wir können uns nur stark machen. Stark machen, indem wir Geschehnisse nicht verleugnen, sondern sie uns immer wieder in Erinnerung rufen und anderen verdeutlichen. Stark machen, indem wir verantwortlich mit den Schicksalen der Generation umgehen, die leiden musste. Stark machen, indem wir der Richtung, die damals zu all dem Schrecken führte, heute den Rücken zukehren.

Klasse 10c/Nina Heinen (HBG Bruchsal)

TERMINE
Infotag (Tag der offenen Tür) HBG Karlsruhe
25.09.2021, 10:00h–13:00h
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Elternabend der e-Klassen in Ettlingen
27.09.2021, 20:00h
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Elternabend der b-Klassen (ohne 10b) und Klasse 9a in Karlsruhe
27.09.2021, 20:00h
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Elternabende a-Klassen (ohne 9a), 10 und 11 in Karlsruhe
30.09.2021, 00:00h
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