Fachtagung der UNESCO-Projektschulen in Erfurt
Ettlingen (Mu). „Wir ergreifen Partei, wenn die Würde und Rechte von Menschen angegriffen werden.“
Dieser Satz steht in der Abschlusserklärung der UNESCO-Projektschulen Deutschlands, die sich vom 22.-25. September 1945 zu ihrer jährlichen Fachtagung in Erfurt trafen. Ziel dieser Treffen ist die Überprüfung und Ausrichtung der gemeinsamen Arbeit. Mindestens genauso wichtig ist aber auch die gegenseitige Vernetzung und der informelle Austausch, wie die Ziele der UNESCO im Schulalltag integriert und umgesetzt werden können.
Dieses Mal lag der Schwerpunkt auf dem immateriellen Kulturerbe. Kaum jemand weiß, dass die UNESCO nicht nur überragende Bauwerke zum Weltkulturerbe erhebt, sondern auch Bräuche, Traditionen und Handwerkswissen unter diesen Schutzstatus stellt. So konnten die über 200 Teilnehmer sich in verschiedenen Workshops über eine Vielzahl von immateriellen Kulturgütern informieren, wie zum Beispiel den modernen Tanz, die Braille-Schrift oder arabische Kalligraphie. Ging es am ersten Tag der Fachtagung um diese internationalen Kulturgüter, ging es am zweiten um das immaterielle Kulturgut Thüringens. Hierzu standen Exkursionen zu den verschiedenen UNESCO-Projektschulen in Erfurts Umgebung auf dem Programm, die sich mit den verschiedensten Kulturgütern beschäftigt und darauf vorbereitet hatten, diese auf verschiedenste Weise zu vermitteln. So baute eine Gruppe ein Floß nach der Kunst der alten Flößertradition, andere besuchten das Freilichtmuseum Hohenfelden und erfuhren in einer alten Dorfbrauerei, dass die Thüringer Braukunst nicht nur eine hohe Kunst darstellt, sondern auch, dass ihr Ergebnis unglaublich gut schmeckt. In anderen Gruppen ging es um die Künste des Buchbindens sowie des Buchdrucks, um traditionelle Brettspiele, das Spiel der Waldzither und und und.
Die Tage waren gut organisiert, boten sehr viel Eindrücke und boten trotzdem viele Möglichkeiten zum Austausch. Sie boten aber auch einen beeindruckenden Eindruck, wie viel Engagement und Ehrenamt bundesweit im Sinne der UNESCO geleistet wird und wie viel, wenn alle nur einen kleinen Teil dazu beitragen, insgesamt bewegt werden kann. Es gibt noch viel zu tun, es läuft aber schon ganz ganz viel.
Beschämend muss ich zum Schluss noch gestehen, dass meine Vorurteile vom „AfD-verseuchten Osten“ in Erfurt regelrecht pulverisiert wurden. Egal ob an öffentlichen oder privaten Gebäuden, die Zeichen und Aufrufe zu Frieden und Demokratie sind allerorten. In den alten Bundesländern habe ich noch nie ein Café gesehen, dass die ersten Artikel des Grundgesetzes in Großlettern auf die Fenster geschrieben hat; in Erfurt schon.
