KI als Problemlöser

HBG setzt auf Künstliche Intelligenz im Unterricht

   Bruchsal (By). Das Heisenberg-Gymnasium Bruchsal (HBG) holt Künstliche Intelligenz in den Schulalltag – mit Raspberrys, 3D-Druckern, aktuellen Problemen im Bereich Nachhaltigkeit – und einem Preis der Dr. Hans Riegel-Stiftung. Ein Blick darauf, was dabei tatsächlich passiert.
   Eine Handvoll NeuntklässlerInnen richtet eine Kamera auf ein Foto, auf dem es von Insekten wimmelt. Die Software ist keine Lernsoftware, sondern ein professionelles Bilderkennungsmodell: Es kennt tausende Objekte – Flaschen, Hunde, Autos, Menschen. Auf dem Bildschirm bleibt trotzdem alles leer. Kein Rahmen, keine Zahl – diese KI hat noch nie ein Insekt gesehen, weil ihr nie jemand eines gezeigt hat. Von hier an beginnt die eigentliche Arbeit: Fotos sammeln, jedes Insekt von Hand markieren, ein eigenes Modell trainieren, prüfen, ob es zählt, was es zählen soll.
   Wer als Mutter oder Vater über Künstliche Intelligenz und Schule liest, stößt meist auf Abwehr – auf Debatten über abgeschriebene Referate und Chatbots in Klassenarbeiten. Am HBG läuft parallel dazu eine andere Frage: Was müssen Kinder können, um mit KI-Algorithmen und lokalen Modellen aktuelle Probleme zu lösen, die die SchülerInnen bewegen?
   Dafür gab es im Schuljahr 2025/2026 Anerkennung von außen: Im Schulwettbewerb „KI im Unterricht“ der Dr. Hans Riegel-Stiftung wurde das HBG bei der MINT-EC-Schulleitertagung in Wuppertal als eine von drei Schulen zum Hauptpreisträger gekürt; das Konzeptvideo stammte von den Lehrkräften Nina und Yuri Bayat. Überzeugt hat die Jury die Verbindung von fachlicher Tiefe mit Themen, die vor der Haustür liegen. 7.000 Euro Förderung fließen nun in die Umsetzung.
   Gefördert wird ein Konzept im Aufbau – erst der Prototyp, dann die Serie. Die KI-Projekte laufen zunächst in kleinen Gruppen von SchülerInnen; in den kommenden Jahren sollen erprobte Teile in den regulären Unterricht übergehen. Das Fundament dafür steht bereits im Stundenplan. In Klasse fünf und sechs lernen alle SchülerInnen den Calliope mini kennen, einen Kleinstcomputer, der sich mit bunten Blöcken statt mit Text programmieren lässt. Wer mag, baut daraus den Neophyten-Wächter: ein Handgerät mit KI-Kamera, das den eingewanderten Japanischen Staudenknöterich erkennt.
   In Klasse sieben kommt im regulären Unterricht Scratch dazu. Im Förderangebot entsteht daraus der Vogelstimmen-Detektiv: Mit Teachable Machine, einem Werkzeug im Browser, legen die SchülerInnen für jede Vogelart eine Kategorie an und spielen dem Rechner Aufnahme um Aufnahme vor, bis er die Rufe auseinanderhält – samt einer Kategorie für Hintergrundgeräusche, sonst hört das Modell überall Vögel. Das fertige Modell wandert in ein selbst geschriebenes Scratch-Spiel.
   Ab Klasse neun werden die Vorhaben größer: Ein autonomer Müll-Roboter aus LEGO-Technik und einem Raspberry Pi soll Abfall auf den Wiesen rund um die Schule erkennen, wo Störche Plastikreste mit Beute verwechseln. Eine 3D-gedruckte Insektenfalle zählt Tiere auf Beton, Wiese und Hecke, ein smartes Gewächshaus entscheidet über das Gießen und ein tragbarer „Waldfluencer“ erkennt kranke Bäume.
   Klasse 10 wechselt im Regelunterricht die Perspektive – von der Technik zur Verantwortung: Datensätze zu den sozialen Faktoren des Schulerfolgs, am Medientag der Stromverbrauch großer Sprachmodelle. In dieser Klassenstufe öffnet sich der Rahmen nach außen, mit KI-Kurs, Bundeswettbewerb und fächerübergreifenden Projekten – durch einen Vortrag unterstützt von der Hochschule Karlsruhe mit Prof. Preissach.
   Wer den Teams über die Schulter schaut, sieht, wie oft etwas nicht funktioniert. Die Kamera hängt schief, das Gerät hält eine Hand für ein krankes Blatt, der Rechner liefert Fehlermeldungen. Also wird nachjustiert – am Schwellenwert, an den Trainingsbildern. Dazwischen liegen Anleitungen, die keinen Tippfehler verzeihen. Die SchülerInnen nehmen dabei viel mehr mit als nur eine Programmiersprache.
   Und die Insekten? Das selbst trainierte Modell findet sie inzwischen und markiert jedes einzelne mit einem grünen Rahmen. Ob die Zahl darunter stimmt, müssen die SchülerInnen weiterhin selbst überprüfen. Diese Erfahrung dürfte länger halten als jede Software, mit der sie heute arbeiten.

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25. 07. 2026, 00:00h – 12. 09. 2026, 00:00h
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