Schiller hat Geburtstag – und wir kamen eine Woche früher
Karlsruhe (He). Wer behauptet, Literatur liege nur verstaubt zwischen Buchdeckeln, war noch nie in Marbach am Neckar. Am 3. November machten sich die Deutsch-LKs der Jahrgangsstufe 12 mit dem Zug auf den Weg in Schillers Geburtsstadt, eine Woche vor dessen 267. Geburtstag.
Nach einem Gruß an Schillers Geburtshaus ging es ins Deutsche Literaturarchiv, ins Literaturmuseum der Moderne und ins Schiller-Nationalmuseum. In einem Workshop sortierten wir zunächst das literarische Gedränge um 1800: Aufklärung, Klassik, Romantik und was dazwischen noch alles los war. Dann wechselten wir die Rollen. In kleinen Gruppen erkundeten wir die Schiller-Ausstellung zu Themen wie „Literatur und Politik“, „Literatur und Religion“ oder „Literatur und die Frauen“ anhand von ausgestellten Artefakten aus der Zeit und führten anschließend selbst durch die Räume.
Nach einer kurzen Mittagspause hieß es „das Wort ergreifen“. Die Führung spannte einen Bogen von Uhland über Brecht bis zu Walter Benjamin und Hannah Arendt und zeigte an Originalschriften, wie Autorinnen und Autoren sich politisch eingemischt haben und auch, auf welchem Weg sie ihre Werke und ihre Gedankenwelt vor etwa der Auslöschung durch die Nationalsozialisten bewahren konnten. Ein weiterer Höhepunkt wartete im Ausstellungsraum des Literaturmuseums der Moderne: die erste Original-Seite von Kafkas „Der Proceß“ in seiner eigenen Handschrift. Mindestens so spannend war die Geschichte, welchen verschlungenen Weg dieses Blatt bis nach Marbach genommen hat.
Unser Fazit: Ein Tag voller schöner Momente, lebhafter Diskussionen und guter Laune. Wir sind alle wohlbehalten zu Hause angekommen, mit dem Gefühl, Literatur diesmal nicht nur gelesen, sondern erlebt zu haben.



