Zwischen Mauer, Spree und Lieblingsdöner – Studienfahrt nach Berlin
Karlsruhe (An,Me, Wn, Kü). Die Klassenstufe 11 verbrachte vom 04. bis 08. Mai ihre Studienfahrt in der Hauptstadt Berlin. Dort erwartete die Schülerinnen und Schüler ein abwechslungsreiches Programm aus Geschichte und Kultur, aber auch Freizeit, um Berlin auf eigene Faust zu erkunden.
Tag 1: Drei Wächter und siebenundvierzig Koffer
Die Anreise verlief etwas anders als geplant. Mit etwa eineinhalb Stunden Verspätung kam die Gruppe endlich in der Hauptstadt an – viel Zeit zum Ausruhen blieb allerdings nicht und das geplante Beziehen der Hotelzimmer musste auf den Abend verschoben werden. Denn direkt nach der Zugfahrt stand bereits der Besuch des Deutschen Bundestags auf dem Programm. Schnellen Schrittes eilte die Gruppe vom Hauptbahnhof zum Bundestag, damit sie rechtzeitig zu ihrem Termin dort sein konnte. Doch wohin mit dem ganzen Gepäck? Ein Verstauen am Bahnhof war aus Zeitgründen nicht mehr möglich. Schnell fanden sich drei Kofferwächter, die vor dem Bundestagsgebäude auf die siebenundvierzig Koffer und mehrere Rucksäcke aufpassten. Im Bundestag wurde die Gruppe auf die politische Bedeutung der Hauptstadt eingestimmt und vom Dach und der Kuppel des Gebäudes konnte man sich einen ersten Überblick über Berlin verschaffen. Anschließend ging es ins Hotel, bevor der Abend mit erster Freizeit in Berlin ausklang.
Tag 2: Eine Reise durch die Geschichte
Am Dienstag tauchten die Schülerinnen und Schüler tief in die Geschichte der Stadt ein. Bei den Berliner Unterwelten erkundete eine Gruppe den beeindruckenden Fichtebunker, während die andere mehr über die Fluchttunnel unter der Berliner Mauer erfuhr. Danach teilte sich die Stufe erneut auf: Je nach Interesse wurden das Spionagemuseum, das Pergamon-Panorama oder das Medizinhistorische Museum der Charité besucht. Während die Jahrgangsstufe die verschiedenen Guides durch ihre vielen Nachfragen und ihrem großen Interesse beeindruckte, durften sie auch regelmäßig von ihren Tutor:innen für ihre Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit gelobt werden.
Auch die Freizeit kam nicht zu kurz: Viele nutzten die Gelegenheit zum Shoppen in den Berliner Einkaufsstraßen, andere erkundeten die Stadt auf eigene Faust. Besonders beliebt war außerdem ein Besuch bei dem Dönerladen, der als Angela Merkels Lieblingsdöner bekannt geworden ist.
Tag 3: Gänsehautmomente hinter Gittern
Ein besonderes Highlight der Woche war für viele das Zeitzeugenseminar in der heutigen Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, dem ehemaligen Stasi-Gefängnis. Die persönlichen Berichte und Eindrücke sorgten bei vielen für nachdenkliche und bewegende Momente und machten Geschichte auf eindrucksvolle Weise greifbar. Welche Regeln galten im Gefängnis? Wie lief ein Stasi-Verhör hab? Was hatte es mit dem roten Licht auf dem Gang auf sich? Vierundzwanzig Stunden brannte die Glühbirne in der Zelle – war gerade Tag oder Nacht? Ob der Mithäftling wohl ein Spion war – was durfte ich ihm erzählen? Zwei taffe Persönlichkeiten berichteten von ihren teils sehr brutalen und bewegenden Erlebnissen in der Gefangenschaft und ihrem Weg in die Freiheit.
Tag 4: Sportliche Abwechslung und lustige Abschlussschifffahrt
Am Donnerstag ging es sportlich weiter: Bei einer „Berlin-on-Bike“-Tour entlang ehemaliger Grenzverläufe erfuhren die Schülerinnen und Schüler viel über die Geschichte der Berliner Mauer. Ausgestattet mit Helm und Fahrrad fuhr die Stufe in drei Gruppen durch Berlin und machte Zwischenstopps an historisch interessanten Punkten der Stadt, wobei auch ungeplante Zwischenstopps eingebaut werden mussten, um eine auf dem Kopfsteinpflaster immer wieder herunterspringende Fahrradkette wieder zu fixieren. Zwar zeigte sich das Wetter eher kalt und windig, doch immerhin blieb die Gruppe vom Regen verschont.
Den Abschluss des Tages bildete eine gemütliche und lustige Bootsfahrt auf der Spree, bei der Berlin noch einmal aus einer ganz anderen Perspektive erlebt werden konnte. Untermalt wurde der letzte Abend durch verschiedene Gesangseinlagen, die manche als Ohrwurm durch den Abend begleiteten. Eine Seefahrt, die ist lustig…
Tag 5: Was, schon vorbei?
Nach einem letzten Frühstück im Hotel und der vorbildlichen Zimmerkontrolle – nur eine der siebenundvierzig Schlüsselkarten ging verloren – trat die Jahrgangsstufe am Freitag schließlich die Heimreise mit dem Zug an. Dort wurde Karten gespielt, gelacht, gequatscht, geschlafen und Fotos der vergangenen Tage angeschaut. Viel zu schnell gingen die fünf Tage vorbei, doch die Reise wird allen sicher noch lange in Erinnerung bleiben.
Rückblickende Gedanken der Schülerinnen und Schüler:
„Eins meiner Highlights war die Fahrradtour entlang der Berliner Mauer, bei der uns unser Führer interessante Geschichten über Flüchtlinge erzählt hat, die aus der DDR über die Mauer in die BRD geflohen sind. Eine Geschichte ist mir besonders im Gedächtnis geblieben: Drei Geschwister sind nacheinander auf sehr kreative Weise geflohen. Der erste Bruder hat sich freiwillig als Grenzsoldat gemeldet und konnte so fliehen. Der zweite Bruder hat ein Seil zwischen zwei Häusern gespannt, zwischen denen die Grenze verlief. So konnte er sich am Seil entlang hangeln und in den Westen gelangen. Der dritte Bruder wurde von seinen zwei bereits geflohenen Brüdern mit einem Ultraleichtflugzeug im Osten abgeholt, welches zur Tarnung zuvor in den Farben der Militärflugzeuge der DDR bemalt wurde.“