Im Sprint zum Abitur - Die Laufbahn von Jana Reinert

Dieses Jahr hat am Ettlinger Heisenberg-Gymnasium eine Schülerin Abitur gemacht, die bei vielen sportlichen Wettkämpfen ganz vorne mit dabei ist. Der  Ettlinger Schulleiter Walter Rilling hat nach dem Abitur ein Interview mit ihr geführt.

Ettlingen (Rl)

Hallo Jana,
Du bist ja in der Zwischenzeit eine national und international bekannte Nachwuchsläuferin, ein anerkanntes und hoffnungsvolles Talent. Wie lebt es sich mit einem solchen Image?

In den letzten Jahren konnte ich meine sportlichen Leistungen deutlich verbessern und durfte auch schon international drei Mal für Deutschland starten. Das ist eine sehr große Ehre, aber man muss auch mit hohen Erwartungshaltungen umgehen können. Ich versuche mir persönlich so wenig Druck wie möglich zu machen und einfach Spaß, an dem was ich mache, zu haben.

Kannst Du uns einen kurzen Abriss geben über Deine Spezialstrecken, die bisherigen Stationen Deiner Laufkarriere und Deine Erfolge?

Ich laufe vor allem die 800m, aber inzwischen auch die 400m. Bis vor einem Jahr bin ich für Langensteinbach gestartet, wo ich schon seit ich 9 Jahre alt bin trainiere. Bevor ich auf die 800m kam, habe ich noch alles trainiert, also Mehrkampf gemacht. Als ich in der 7. Klasse war, wurde ich in den Landeskader aufgenommen. Erst dann beschloss ich, speziell die 800m zu trainieren und begann zweimal die Woche in Karlsruhe im Stützpunkttraining zu trainieren. Seitdem wurde ich schnell immer besser und nahm als ich 15 Jahre alt wurde an meinen ersten deutschen U18-Meisterschaften teil.
2015 war einer meiner besten Saisons. Ziemlich überraschend lief ich die  WM-Norm und durfte Deutschland bei den Jugendweltmeisterschaften in Cali (Kolumbien) vertreten. Obwohl ich dort im Halbfinale stürzte und so das Finale nicht mehr erreichte, war es eine extrem spannende und tolle Erfahrung. Eine Woche später wurde ich deutsche U18-Meisterin.
Meine darauffolgende Saison begann allerdings nicht so vielversprechend. Im Winter und Frühling war ich viel krank und konnte mich so viel schlechter auf die Saison vorbereiten. Nachdem es über die 800m dann einfach nicht so lief wie erhofft, versuchte ich mich über die 400m. Meine Bestzeit dort reichte aus, um mich für die 4x400m Staffel in Bydgoszcz bei den U20- Weltmeisterschaften zu qualifizieren. Nach einem guten Vorlauf erreichten wir im Finale den 4. Platz. Natürlich waren wir enttäuscht keinen Medaillenrang erzielt zu haben, jedoch liefen wir so schnell wie keine andere U20-Staffel in den letzten  20 Jahren.
Dieses Jahr stehen für mich die U20-Europameisterschaften an, diesmal wieder über die 800m. Über diese Strecke konnte ich meine persönliche Bestzeit noch einmal um 3 Sekunden auf 2:04 min verbessern und stehe jetzt damit auch in Europa ganz gut da.

Welche Eigenschaften muss man Deiner Meinung nach für solche Erfolge mitbringen?

Für mich stehen an erster Stelle der Wille und der Spaß an dem Sport. Wenn man das nicht mitbringt, ist es total schwer sich jeden Tag aufs Neue fürs Training zu motivieren. Außerdem hilft es in den Phasen, in denen es mal überhaupt nicht gut läuft. Jeder Sportler erlebt Wettkämpfe, Wochen oder sogar eine ganze Saison, in denen man seine eigenen Erwartungshaltungen nicht erfüllen kann. Dann ist es entscheidend, das Ziel, aber vor allem auch den Spaß, nicht zu verlieren und einfach weiter zu machen. Sobald man den Glauben an sich selbst beibehält, stehen einem so gut wie alle Türen offen. Viele Sportler sind mit wahnsinnig viel Talent gesegnet und deshalb vor allem im Jugendbereich erfolgreich. Irgendwann kommt aber ein Zeitpunkt, an dem Talent nicht mehr ausreicht und man sich nur noch durch Fleiß und harte Arbeit weiter verbessert. So viel Zeit und Energie in sein Talent zu investieren, dazu sind nicht alle bereit, aber nur das führt schlussendlich zu Erfolgen.


Könntest Du Dir vorstellen, auch andere Strecken anzugehen?

Ich glaube langfristig sind die 800m wie für mich gemacht. Dieses Jahr bin ich unvorbereitet auch eine gute 1500m-Zeit gerannt. Über die 400m kann ich mich ebenfalls immer weiter verbessern. Mit diesen zwei Grundvoraussetzungen, dass ich im Langsprint und im Ausdauerbereich mithalten kann, erfülle ich die wichtigsten Kriterien für eine gute 800m-Läuferin. Meine Lieblingsstrecke sind allerdings die 600m. Die werden in Deutschland aber nur einmal im Jahr bei einem Meeting angeboten.

Wie ging das mit dem „Entdeckt werden“? Wie hat alles angefangen?

Angefangen habe ich mit Leichtathletik schon im Kinderbereich, als man noch Mehrkampf machen musste. Eigentlich war von Anfang an klar, dass ich am talentiertesten im Sprinten und Laufen bin und dafür zum Beispiel im Werfen gar kein Talent habe. Bei irgendeinem Wettkampf wurde dann erstmals angeboten, auch 800m zu laufen. Das habe ich gemacht und war gar nicht so schlecht. Im Laufe der Jahre bin ich dann immer öfter und immer schneller 800m gerannt. Als ich in der 7. Klasse war, wurde ich dann auf eine Sichtung von dem Landeskader eingeladen und dort aufgenommen. Wirklich gut wurde ich erst, als ich das Stützpunkttraining in Karlsruhe wahrnahm. Dort trainierte ich zum ersten Mal spezifisch für meine Disziplin und verbesserte meine Bestzeit um 10 Sekunden in einem Jahr. Danach wurde ich sogar  in den Bundeskader aufgenommen. Erstmals traf ich Athleten aus ganz Deutschland und musste beispielsweise auch für medizinische Checks oder Lehrgänge nach Berlin oder Leipzig fahren.

Was sind Deine sportlichen Ziele und Vorhaben für die Zukunft? Werden wir Dich bei Olympia sehen?
Das Ziel für diese Saison ist auf jeden Fall das Finale bei den U20-Europameisterschaften zu erreichen. In einem Finale über 800m ist so gut wie alles möglich. Wenn es gut läuft, kann ich vorne mitlaufen. Außerdem will ich, wie schon dieses Jahr in der Halle, erneut deutsche Meisterin werden.
Olympia ist für jeden Leistungssportler das Ziel. Natürlich kann ich für nichts garantieren, aber ich werde mein Bestes geben, diesen Traum wahr werden zu lassen.

Du hast am Heisenberg-Gymnasium ein hervorragendes Abitur abgelegt, Schnitt 1,4. Wie hat sich Dein Schulalltag mit den vielen Laufterminen vereinbaren lassen?

Das war in der Tat eine ziemliche Doppelbelastung. Häufig bin ich direkt von der Schule ins Training nach Karlsruhe gefahren. Vor allem seit der Oberstufe trainiere ich fast ausschließlich dort und habe von meinem Wohnort eine
50-minütige Anfahrt mit der Bahn bis zum Stadion. Ich habe immer versucht, die Pausen, die ich hatte, so gut wie möglich zu nutzen. Unmittelbar vor dem schriftlichen Abitur, habe ich zum Beispiel immer während den Bahnfahrten gelernt, sodass ich dann zu Hause nicht mehr so viel machen musste. Inzwischen fallen Trainingslager oder sonstige Lauftermine allerdings auch auf die Schulzeit. Da war es dann für mich wichtig, immer dran zu bleiben, so dass ich nur wenig zum Nachholen hatte. Gerade im Trainingslager, wenn die Trainingsbelastung besonders hoch ist, fällt es einem aber schwer sich in den Trainingspausen noch auf Schule zu fokussieren.

Wie geht es einer Spitzenläuferin, also einer Spezialistin für eine einzige Disziplin, im Sportunterricht eines allgemeinbildenden Gymnasiums?

Der Sportunterricht bei uns an der Schule ist ziemlich vielseitig. Ich habe es schon immer genossen, auch etwas anderes zu machen, als „nur“ zu laufen. In der Oberstufe habe ich dann Sport als Leistungsfach gewählt und bin wirklich froh darüber. Zum einen, weil ein Teil davon aus Leichtathletik bestand und ich da dann schon Vorteile hatte, zum anderen weil man neben dem „Rumsitzen“ in der Schule Abwechslung hatte. Natürlich bin ich im Basketball oder Fußball nicht so talentiert wie im Laufen, trotzdem macht es mir Spaß und darauf kommt es für mich an.

Wir wissen, dass Du die nächste Zeit in den USA verbringen wirst. Was kannst Du uns über dieses Projekt sagen?
Aufgrund meiner Leistungen in den letzten Jahren ist es mir möglich, mit einem Sportstipendium in der USA zu studieren. Der Gründer der Firma „Scholarbook“, die Sportler an Unis weitervermittelt, trainiert mit in meiner Trainingsgruppe. Durch ihn wurde ich vor mehreren Jahren erstmals auf die Idee gebracht nach meinem Abitur durch ein Stipendium in die USA zu gehen. Es ist die perfekte Möglichkeit für mich, sportlich und persönlich neue Erfahrung zu sammeln. Als ich mich vor knapp einem Jahr für diesen Schritt entschieden habe, wurde ich von sehr vielen Unis angeschrieben. Ich musste viel recherchieren, um herauszufinden, welche Uni mir eigentlich was genau anbieten kann. Zum Schluss blieben acht Unis in der engeren Auswahl. Mit den Coaches dieser acht Unis skypte ich dann mehrere Male, um mir eine bessere Vorstellung von der Uni und dem Training dort zu machen. Drei Unis und deren Trainingsgruppen sprachen mich besonders an. Im Januar reiste ich dann zu diesen drei Unis, um mir vor Ort einen Eindruck zu machen. Letzten endlich habe ich mich für eine Universität in Florida, die Jacksonville University, entschieden, da sie alle Aspekte erfüllt, die mir wichtig sind. Mitte August werde ich dort anfangen zu studieren und freue mich schon auf alle Erfahrung, die ich dort machen darf.

Welche Ratschläge würdest Du unseren Schülerinnen und Schülern für ihre Schulzeit mitgeben?
Mein Motto, das sich auch immer bewährt hat, ist: Ohne Fleiß kein Preis. Ich finde es wichtig, immer sein Bestes zu geben. Wenn es dann mal nicht so klappt, wie man es sich erhofft oder vorgestellt hat, kann man sich dennoch keine Vorwürfe machen.


Vielen Dank und alles Gute für die Zukunft.

Jana Reinert

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