Wenn die „Willkommenskultur“ fassbar wird

Afghanistan-Tag am Heisenberg-Gymnasium Bruchsal

   Bruchsal. Bruchsal richtet 2015 die Baden-Württembergischen Heimattage aus – ein Anlass, die Verbundenheit der Menschen mit ihrem Land zu dokumentieren. Und zu hinterfragen. Das Heisenberg-Gymnasiums Bruchsal (HBG) hat sich dem Themenkomplex genähert: „Was bedeutet Heimat für die Menschen in Deutschland? Und was bedeutet Heimat für Flüchtlinge, speziell aus dem umkämpften Afghanistan?“ waren die Leitfrage eines ganz besonderes Tages.
   Rund 150 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen acht bis zehn haben sich zunächst in Workshops mit verschiedenen Aspekten dieser Frage intensiv beschäftigt – unterstützt von acht Referenten.  Ali Soltani erläuterte Religion und Geschichte, Mojtaba Mohammadi sprach über Kunst und Kalligraphie, Nemat Soltani kochte zusammen mit den Jugendlichen, Abbas Hassani brachte ihnen den Alltag in Afghanistan näher, Hossein Rezai und Ali Rezai die typische Musik des Landes, die Verbindung von Tanz und Musik exemplifizierte Meran Mohammadi und Gerhard Hotz sprach über Deutsche in Afghanistan. Seitens der Schule betreute und koordinierte der Musiklehrer Heinz Huber das ganztägige Projekt. „Es war für unsere Jugendliche ein besonderes Erlebnis mit jungen Menschen aus Afghanistan  - der älteste war 26 - gemeinsam ein wichtiges, emotional berührendes Thema in seiner Komplexität aufzubereiten. Und es war wichtig für sie zu erfahren, dass jenseits der großen Politik, persönliche, auch tragische Schicksale stehen“, meinte Huber. Die Schüler hätten „erlebt wie Musik als internationale Sprache Verständigung und Verständnis fördert.“
   Das Projekt mündete in ein gemeinsames Konzert am Abend, welches die Flüchtlinge unter dem Motto „Heimat. Lieder von afghanischer und deutscher Sehnsucht“ gemeinsam mit dem Elternchor des Gymnasiums, dem Chor San Taddeo aus Neureut und die Wolfgang Klockewitz-Band aus Ettlingen, geleitet von Leo Langer, für die mehr als 350 Besucher in der Aula des HBG gestalteten.
   „Wir waren einerseits erschüttert über den authentischen Bericht und die Bilder von Ali Soltani über seine Heimat Afghanistan, andererseits war zu spüren, wie tief verwurzelt diese jungen Männer mit ihrer Heimat sind“, meinte Rainer Rapp, Leiter des Bruchsaler Schulamtes, und ergänzte: „Vielen Besuchern wird klar geworden sein, wie wertvoll es ist, in seiner Heimat in Frieden leben zu dürfen. Die sympathischen jungen Afghanen haben es geschafft, dem abstrakten Thema Flucht ein reales Gesicht zu geben.“ Vor allem beeindruckte, mit welcher Selbstverständlichkeit die jungen Flüchtlinge ihre Volkslieder und Volkstänze lebten, während Menschen aus dem Westen etwas ratlos sind, wenn sie ihre kulturelle Identität mit einem Lied zu dokumentieren sollen.
   „Wir haben viel von den Afghanen über ihre schöne, stolze Heimat erfahren, aber auch über uns mit unserem eher nüchternen Blick auf das Thema Heimat“, fasste Anton Schneider, der Schulleiter des HBG, zusammen. „Es war für uns alle berührend zu sehen wie trotz tragischer Schicksale diese Menschen Lebensmut ausstrahlen. Und die Flüchtlinge haben dankbar gefühlt, dass wir Anteil nehmen an dem, was sie bedrückt, beschäftigt und beglückt - eine wichtige Erfahrung, die bewiesen hat, dass der arg strapazierte Begriff ´Willkommenskultur´ mit Inhalt und Gefühlen konkret fassbar werden kann.“

Franz Csiky

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