Tod in Damaskus

Syrischer Diplomat stirbt unter ungeklärten Umständen

Sein Sohn berichtete am HBG Bruchsal von Krieg und Flucht

Bruchsal/Kronau (Be). Der Schock sitzt tief bei Adel Darouish. Der in Kronau wohnhafte 38-Jährige Syrer, der im Herbst 2015 Schülern des Heisenberg-Gymnasiums Bruchsal von seiner abenteuerlichen Flucht über die Balkanroute berichtete und aufgrund der langen Bearbeitungszeit seines Asylantrags überregional Bekanntheit erlangte, muss jetzt den plötzlichen Tod seines 74 Jahre alten Vaters Mounir verkraften – und den Verdacht, wonach diese Tragödie auf das Konto von Diktator Baschar al-Assad geht, der bereits Hunderttausende Menschenleben zu verantworten hat. Doch auch die politischen Folgen sind angesichts der verfahrenen Lage in der Syrienfrage groß. „Ein weiterer Schlag für die Friedensgespräche“, titelte etwa die renommierte „Washington Post“ auf ihrer Internetseite. Der Tod Darouishs habe „seine Verbündeten erschüttert“.  
   Der als moderat geltende Oppositionspolitiker Mounir Darouish, dessen von ihm mitbegründete und international unterstützte „Kairo-Gruppe“ bis dato offenbar von Assad toleriert worden war, lebte trotz eines „unguten Gefühls“ – im Dezember sprach er erstmals davon, Syrien bald verlassen zu müssen - bis zuletzt in Damaskus und war seit Jahren in die vom Sondergesandten der Vereinten Nationen, Staffan de Mistura, geführten Genfer Friedensverhandlungen involviert. Dorthin reiste Adel Darouish auch, um wenigstens ab und zu seinen Vater treffen zu können, zuletzt im Dezember 2017. Am 7. Januar dann wurde Darouish nach Aussagen seines Sohnes in der syrischen Hauptstadt nur wenige Meter von seiner Wohnung entfernt auf dem Gehweg angefahren, der Fahrer flüchtete. Im Krankenhaus stellte man einen Knöchelbruch sowie mehrere Rippenbrüche fest. Darouish wurde vier Tage später operiert und befand sich, wie sein Bruder und die behandelnden Ärzte vor Ort berichteten, auf dem Weg der Besserung. Diesen Eindruck vermittelte der Diplomat seinen Angehörigen auch noch am Nachmittag des 12. Januar, als sie ihn zum letzten Mal besuchten – doch wenige Stunden später war Mounir Darouish tot. „Unglaublich – er sollte am nächsten Tag entlassen werden“, berichtet sein Sohn Adel, den die Nachricht „wie ein Blitz“ traf. Regelmäßig kommunizierte der Philosophielehrer mit seinem Vater, der Kontakt war sehr eng.  
   Dass die Unterstützung im weiten Familien- und Freundeskreis groß ist und UN-Sondergesandter de Mistura dazu aufrief, „die Verantwortlichen zu identifizieren und zur Rechenschaft zu ziehen“ („Washington Post“), ist für den Syrer nur ein schwacher Trost. Vor allem die Unsicherheit, ob sein Vater einem Unfall oder einem heimtückischen Mordanschlag zum Opfer fiel, zehrt an den Nerven. „Natürlich hätten wir gerne Klarheit“, betont Darouish, der den offiziellen Krankenhausbericht, wonach sein Vater einem Herzinfarkt erlag, anzweifelt. Seltsam erscheine im Nachhinein vor allem, dass die ursprünglich für Freitag geplante Entlassung mit der Begründung verschoben wurde, der Chefarzt sei abwesend und könne die hierfür nötige Unterschrift nicht leisten.
   Einziger Trost für den Wahl-Kronauer ist die große posthume Anerkennung, die sein Vater Mounir momentan erhält. Die „Washington Post“ zitierte exemplarisch Staffan De Mistura, der den Mut Darouishs hervorhob, statt ins Exil zu gehen „Frieden und eine bessere Zukunft für sein Land anzustreben.“ Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini sprach der Familie Darouish ihr Beileid aus und hob „die Hingabe und das Engagement“ des Verstorbenen für sein Heimatland hervor. Dies habe ihn zu einem „unentbehrlichen Akteur der intra-syrischen Gespräche“ gemacht. Trauer- und Beileidsbekundungen veröffentlichte auch das französische Außenministerium, das eine „vollständige Aufklärung der Umstände dieser Tragödie“ forderte. Frankreich gedenke dem „Schriftsteller und Oppositionspolitiker, der sich (…) unermüdlich für eine praktische Lösung der Syrienkrise eingesetzt hat.“

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Adel Darouish mit seinem Vater Mounir 2017 in Genf

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Der syrische Oppositionspolitiker 2017 bei den Friedensverhandlungen in Genf

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