Integration durch Begegnung

Bruchsaler Politikkurs zu Expertengesprächen in Heidelberg

   Bruchsal (Be). Die abiturrelevanten Themen Migration und Integration standen im Mittelpunkt einer Exkursion des Neigungskurses Gemeinschaftskunde des HBG Bruchsal nach Heidelberg. Im Landratsamt des Rhein-Neckar-Kreises diskutierte zunächst die Leiterin der Stabsstelle Integration, Anne Kathrin Wenk, mit den Schülerinnen und Schülern der Klassenstufe elf, die von Lehrer Henning Belle begleitet wurden. Die Integrationsbeauftragte eines der einwohnerstärksten Landkreise Deutschlands absolvierte vor ihrem Wechsel an den Neckar das Masterprogramm „Internationale Migration und Interkulturelle Beziehungen“ in Osnabrück und treibt mit diesem fundierten theoretischen Wissen und viel Herzblut seit 2016 die erfolgreiche Eingliederung zugewanderter Menschen in der Region voran.

   Schwerpunkt ihrer Arbeit ist u.a. die Vernetzung der beteiligten Akteure, darunter die insgesamt 54 Kommunen des Landkreises sowie eine Vielzahl gesellschaftlicher Organisationen und Initiativen mit insgesamt rund 2000 Ehrenamtlichen. Deren Engagement sei großartig, so Wenk, wobei mehr Freiwillige im Schüler- und Studierendenalter mit Blick auf die Altersstruktur der Neuankömmlinge – zumeist Menschen zwischen 18 und 30 Jahren – wünschenswert seien. „Viele würden sich sehr freuen, wenn Gleichaltrige den Kontakt suchen und ihnen beispielsweise zeigen würden, was man abends oder am Wochenende machen kann“, so Wenk. Entsprechende Initiative könne man jederzeit und auf ganz unterschiedliche Weise starten, „selbstverständlich auch Schülerinnen und Schüler“.

   In die gleiche Kerbe schlug im Anschluss in einem Heidelberger Café Gudrun Sidrassi-Harth, die als langjährige Vorsitzende des Asylarbeitskreises Heidelberg die ehrenamtliche Seite der Integrationsarbeit beleuchtete und aufgrund ihres großen Erfahrungsschatzes auch wertvolle Einblicke in das  weite Feld der Migration geben konnte. Die Wahl-Heidelbergerin, 2015 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet, lebte nach ihrem Amerikanistik- und Hispanistik-Studium in Kolumbien lange Zeit im Libanon und in Kuwait und arbeitete unter anderem als Englischlehrern für die Vereinten Nationen in einem Palästinenserlager in Jordanien. Seit 1982 ist sie in der Flüchtlingshilfe aktiv und engagierte sich zudem 26 Jahre lang als Sprecherin und Landesbeauftragte für Amnesty International. Im Gespräch mit den Schülerinnen und Schülern sowie Stipendiaten des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD), die aufgrund einer Kooperation des HBG mit dem DAAD-Freundeskreis die Runde erweiterten, machte Frau Sidrassi-Harth unter anderem deutlich, wie Migration und Integration durch politische Entscheidungen gesteuert werden und wie schnell sich dadurch Gesetze und damit auch Hoffnungen und Lebensträume vieler Menschen verändern können. Als aktuelle Beispiele nannte sie die Debatten um den Familiennachzug oder um Aufnahmezentren in Nordafrika.

   Hochinteressant war in diesem Zusammenhang der Erfahrungsbericht eines Stipendiaten aus dem Kosovo, der aufgrund des Jugoslawienkriegs in den 90er-Jahren als Kleinkind nach Deutschland kam. Er lebte in einer Flüchtlingsunterkunft in Speyer und lernte dort Deutsch, kehrte nach Ende der Kämpfe mit seiner Familie aber wieder in sein Heimatland zurück, bevor er nun als Student der Politikwissenschaft erneut in der Kurpfalz landete. „Migration kann sehr viel Positives bewirken“, hob Gudrun Sidrassi-Harth daraufhin noch einmal hervor. Es sei einfach wichtig, Integration zu fördern, um damit den meist aus Notlagen geflohenen Menschen neue Perspektiven zu ermöglichen. Dies gelte auch für Asylsuchende ohne Aussicht auf Anerkennung, die man durch Deutschkurse, bei Behördengängen oder einfach gemeinsam verbrachte Zeit unterstützen könne.

   Ob staatliche Integrationsarbeit oder ehrenamtliche – das Fazit der beiden Expertinnen war dasselbe:

„Integration klappt nur durch Begegnung!“

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Die Schülerinnen und Schüler im Gespräch mit Anne Kathrin Wenk (links),

der Integrationsbeauftragten des Rhein-Neckar-Kreises,...

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... bei einer Pause zwischen den Gesprächen...

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... und wieder hoch konzentriert im Gespräch mit Gudrun Sidrassi-Harth (links) und DAAD-Stipendiaten

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