Walter, der Gestalter

Ettlingen (Ba). Am Freitag, den 9.7. 2021 fand die Verabschiedungsfeier des Schulleiters Walter Rilling im Hof des Ettlinger Heisenberg-Gymnasiums statt.
Neben dem gesamten aktuellen Kollegium waren auch pensionierte Lehrerinnen und Lehrer gekommen, um mit ihrem ehemaligen Kollegen und Chef Walter Rilling den Beginn seines Ruhestandes zu feiern und seine Leistungen zu würdigen. Die Anwesenheit von Familie, Freunden, Nachbarn sowie der Ehrengäste aus  den Ettlinger Schulen, dem Regierungspräsidium, der Lokal- und Landespolitik zeigte, dass an diesem Tag ein anerkannter Lotse von Bord ging, der in den zurückliegenden Jahren die MS-Heisenberg durch alle Gewässer manövrierte.
Die stellvertretende Schulleiterin Ulrike Kappesser leitete durch das Programm. Dabei begrüßte sie jeden der über zehn Rednerinnen und Redner mit einem prägnanten Zitat einer bekannten Persönlichkeit.
Dass es ein unterhaltsamer und anregender Nachmittag werden würde, wurde schnell klar, als sie ihren Chef mit Heinrich Lohse, der Hauptfigur aus Loriots Komödie „Pappa ante portas“ verglich. Doch außer der Tatsache, dass beide Herren in den Ruhestand treten, haben sie zum Glück fast nichts gemein. Im Gegensatz zu Lohse ist Rilling nämlich „…immer korrekt, aber niemals pedantisch!“, wie seine Nachfolgerin knapp aber treffend feststellte. So sollte es weitergehen, witzig, anschaulich und wertschätzend. Nach ihr sprach der Schulleiter des Bruchsaler Heisenberg-Gymnasiums Manuel Sexauer. Er blickte auf 22 Jahre Heisenberg-Gymnasium in Ettlingen zurück, dessen Geschichte „eine Erfolgshistorie bürgerlichen Engagements in Ettlingen“ sei. Hier gründete sich im Frühjahr 1999 eine Elterninitiative, die das Modell der Karlsruher Schule auch an der Alb verwirklichen wollte. Trotz aller Schwierigkeiten, ein passendes Gebäude zu finden und es herzurichten, begann ein halbes Jahr später der Unterricht mit zwei Klassen.
Johannes Arnold griff das Zitat Albert Schweitzers auf, das seiner Rede vorangestellt wurde: „Ein Beispiel zu geben ist nicht die wichtigste Art, wie man andere beeinflusst. Es ist die einzige.“ Walter Rilling habe das Zitat gelebt, so der Oberbürgermeister. Er erinnerte daran, wie der Schulleiter nicht nur in den Anfangsjahren oft selbst zur Bohrmaschine gegriffen habe und mit Hand angelegt habe, um rasch einen reibungslosen Unterricht zu ermöglichen.
Aus einem anderen Blickwinkel betrachtete Helmut Obermann den Abschied. Er schaute in die Zukunft. Vielleicht lag es daran, dass der langjährige Schulleiter des AMG am Ende dieses Schuljahres selbst in den Ruhestand tritt und deshalb die Lage seines Kollegen besonders gut kennt. Er verwies auf die schönen Dinge des Lebens, für die nun mehr Zeit sein werde und überreichte u.a. eine Flasche „Rilling Premium Pensionärssekt“.
Auch der nachfolgende Redner, der ehemalige Schulleiter des Bruchsaler Heisenberg-Gymnasiums, Toni Schneider, erinnerte an das Engagement und die vielseitigen Begabungen des Freundes und Kollegen, hob aber vor allem sein Naturell hervor: „Nie hat man ihn gehetzt, gestresst oder aufbrausend erlebt“. So habe er seinen Teil dazu beigetragen, dass eine große Gemeinschaft, in der jeder mit jedem verbunden ist“, entstanden sei.
Die Schulleiter und der Bürgermeister kennen Walter Rilling aus vielen Sitzungen, dem Lehrerzimmer oder von gemeinsamen Aktivitäten. Völlig neue Einblicke gewährten Christian Armbruster und Marc Deckers. Sie erzählten von den Anfangsjahren der Schule, in denen sie als Fünftklässler von Herrn Rilling in Englisch unterrichtet wurden. An ihnen konnte man sehen, wie viele Jahre schon vergangen sind, aus den kleinen Schülern sind längst Männer geworden, die mitten im Leben stehen.
Dass das Heisenberg-Gymnasium aus den drei Standorten besteht, wurde bei der Rede des Karlsruher Schulleiters deutlich. Ingo Liebe hob die organisatorische und personelle Verflechtung mit der Schule in Karlsruhe hervor. Für besondere Erheiterung sorgte er, als er Schülerberichte aus alten Abizeitungen vorlas. In ihnen wurde deutlich, mit wieviel Geduld sich Walter Rilling als Lehrer den Schülerinnen und Schülern widmete und niemals aufgab.
Robert Schieber, der Vorsitzender des Elternbeirats betonte die Größe der Schule. Wo kennt schon ein Direktor alle Schülerinnen und Schüler mit Namen? Schieber hat selbst am Heisenberg-Gymnasium Karlsruhe Abitur gemacht und ist nun durch seine drei Kinder aktiver Teil der Schulgemeinschaft.
Neben einer von den Eltern erstellten Sonderausgabe der Jahreschronik eulen-spiegel überreichte er auch einen Scheck über 1000€. Die Eltern hatten für die Partnerschule im südindischen Mitraniketan gesammelt. Auch die 28 Lehrerinnen und Lehrer wissen, was sie an ihrem Chef haben. Stellvertretend für sie sprach Andrea Kupprion. Sie betonte in Anlehnung an die bekannte Karikatur, dass Rilling sowohl der Lotse als auch Mitglied der Mannschaft war. Die historische Karikatur aus den Zeiten Wilhelms II. passte, unterrichtete Walter Rilling doch bis zum Ende seiner Laufbahn auch Geschichte.
Doch nicht nur mit dem alten Bismarck wurde der Schulleiter verglichen, der Schüler Jakob Bauer zog Parallelen zu Jürgen Klopp, der gerade Rillings Lieblingsverein, den F.C. Liverpool, trainiert. „Er ist der Trainer, der hier 22 Jahre lang erfolgreich arbeitete.“ Die vier Schüler, die dem scheidenden Direktor dankten, endeten mit der Vereinshymne des Vereins „You‘ ll never walk alone“. Die vier sprachen stellvertretend für alle Schülerinnen und Schüler, doch die andern 200 sollten auch ihren großen Auftritt haben. In den letzten Wochen hatten sie, unbemerkt von ihrem Schulleiter einen Tanz eingeübt und stürmten den Hof, um zu lauter Musik in einem Flashmob gleich zu zeigen, wie sehr sie ihn feiern. An dieser Stelle möchten wir uns auch bei den Nachbarn bedanken, die trotz der bebenden Mauern die Ruhe bewahrten.
Es waren nicht die einzigen lauten Töne: Eine von Volker Schäfer geformte Schüler-Rockband spielte die Klassiker von Bob Dylan und Deep Purple, die der Schulleiter so mag. Vom Tanz und der Musik bleiben nur die Erinnerungen. Um etwas Dauerhaftes zu schaffen, haben alle Mitglieder der Schulgemeinschaft gemeinsam ein riesiges Mosaik aus individuell bearbeiteten Holzklötzchen gestaltet, das im Hause Rilling sicher seinen festen Platz finden wird.
Als vorletzte Rednerin würdigte Dagmar Sorgatz als Vorstand des Heisenberg-Gymnasiums die Leistungen eines anderen Menschen: Sie dankte seiner Frau Ingrid, ohne deren Engagement in der Familie vieles nicht möglich gewesen wäre.
Die letzte Rede gebührte dem König der Schule. Als solcher sollte er sich nämlich fühlen, musste er doch gleich zu Beginn der Veranstaltung auf einem Thron vor der Bühne Platz nehmen. Er erzählte von seinem Werdegang: Nach der Schule, dem Studium und dem Auslandsaufenthalt in den USA fing er 1984 beim Privatgymnasium Karlsruhe e.V. an. Ende der 90er Jahre liebäugelte er mit dem Gedanken, in den Auslandsschuldienst zu wechseln. Doch zum Glück für die Schule fragte ihn der damalige Direktor Eckart Wäldin, „ob er sich Verwaltungs- und Organisationsaufgaben“ an einem zukünftigen Standort zutrauen würde. So begann das Abenteuer Heisenberg-Gymnasium Ettlingen.“ Zu der vertrauensvollen Zusammenarbeit, für die er sich in seiner Rede bedankte, hat er aber selbst viel beigetragen. Sein Führungsstil folgt der Erkenntnis, „dass die Kolleginnen und Kollegen besonders motiviert arbeiten, wenn sie genug Freiräume haben“. Wie Recht er damit hat, konnte man an diesem Nachmittag sehen.
Doch nicht nur Schülerinnen und Schüler, Eltern und das Kollegium ließen ihren Schulleiter, Chef und Kollegen an diesem Nachmittag hochleben.
Den weitesten Weg hatte der Bläserkreis im Albverband, der aus Schwaben angereist war. Seit vielen Jahren spielt der Posaunist Rilling in dem Ensemble mit und verpasst nur selten eine Probe.  Während seiner Verabschiedungsfeier konnte er nun zum vermutlich ersten Mal vom Publikum aus hören, wie die Bläser klingen.
Für einen heiteren Ausklang sorgte der Musiklehrer Jan-Peter Knoche, der für ein Stück von Bodo Wartke einen neuen Text geschrieben hatte und nun ein Loblied auf „Walter, den Gestalter“ sang.
Es war ein toller Nachmittag und alle waren sich einig, dass sich die viele Mühe der letzten Wochen gelohnt hat, aber „für den Chef macht es doch jeder gern“, wie ein Kollege meinte.

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